In den letzten Jahrzehnten bestand der allgemeine Trend in der Strafjustiz in den USA darin, das Spektrum der verfügbaren Wahnsinnsverteidigung einzuschränken, wobei die Abhängigkeit ausschließlich von der M’Naghten-Regel zunahm. Dies besagt, dass Unschuld aufgrund von Wahnsinn erfordert, dass der Täter die Natur dieser Straftat nicht verstehen konnte oder nicht wusste, dass die Handlung aufgrund einer psychischen Erkrankung falsch war. In diesem Aufsatz frage ich die Angemessenheit davon im Lichte der zeitgenössischen Neurowissenschaften. Insbesondere konzentriere ich mich auf die Rolle des präfrontalen Kortex (PFC) bei der emotionalen Regulierung der Wahrnehmung, der Kontrolle impulsiven Verhaltens und dem moralischen Denken. Ich überprüfe die Folgen von PFC-Schäden auf diese Endpunkte, die Fähigkeit von Faktoren wie Alkohol und Stress, die PFC-Funktion vorübergehend zu beeinträchtigen, und die bemerkenswert latente Entwicklung der PFC (bei der eine vollständige Myelinisierung möglicherweise erst im frühen Erwachsenenalter auftritt). Ich betrachte auch, wie sich die individuelle Variation der PFC-Funktion und -Anatomie innerhalb des normativen Bereichs mit einigen dieser Endpunkte ändert. Diese Literatur wird wegen ihrer Relevanz für Fragen des kriminellen Wahnsinns überprüft. Insbesondere kann eine Schädigung eine Person hervorbringen, die in der Lage ist, richtig von falsch zu unterscheiden, die jedoch organisch nicht in der Lage ist, ihr Verhalten angemessen zu regulieren.

Robert M. Sapolsky
Department of Biological Sciences, and Department of Neurology and Neurological Sciences, Stanford University School
of Medicine, Gilbert Laboratory, MC 5020, Stanford, CA 94305-5020, USA (sapolsky@stanford.edu)